Mein Rennrad steht nun still

Nach vielen Jahren auf den Straßen und Bahnen Europas habe ich mich nach den Spielen in London entschieden, mit dem aktiven Sport aufzuhören. Hier blicke ich dankbar zurück.

Liebe Wegbegleiter

Meine Lieben, der Moment ist gekommen, an dem ich die Wettkampfschuhe an den Nagel hänge und einen neuen Lebensabschnitt beginne. Es fällt mir nicht leicht, doch ich bin voller Dankbarkeit für all die Jahre, die ich mit euch teilen durfte.

Nach den Olympischen Spielen in London habe ich für mich die Entscheidung getroffen, den aktiven Leistungssport zu beenden. Diese Wahl ist nicht über Nacht gefallen. Sie ist gereift, langsam, ehrlich, in vielen stillen Momenten zwischen Trainingseinheiten, Reisen und Wettkämpfen. Wer den Radsport kennt, weiß, dass dieser Sport mehr fordert als Kraft und Ausdauer. Er fordert das ganze Leben, jede Mahlzeit, jeden Schlaf, jede freie Stunde. Ich habe es gerne gegeben, immer und mit voller Überzeugung.

Wenn ich jetzt zurückblicke, dann sehe ich nicht nur Ergebnisse, Platzierungen und Trainingskilometer. Ich sehe Gesichter. Ich sehe meine Familie, die in jeder Lebenslage hinter mir stand, auch dann, wenn das Wetter trübe war und die Tage lang. Ich sehe Trainerinnen und Trainer, die mir mit Geduld geholfen haben, das Beste aus mir herauszuholen. Ich sehe Sportkolleginnen, die zu echten Freundinnen geworden sind, weil man auf einem Rennrad nichts vortäuschen kann. Und ich sehe euch, die Zuschauerinnen und Zuschauer am Straßenrand, deren Anfeuerungsrufe mir oft den letzten Tritt in die Pedale geschenkt haben.

Ohne die Unterstützung so vieler Menschen hätte ich diesen Weg niemals gehen können. Mein Dank ist groß und aufrichtig – er gilt jedem Einzelnen, der ein Stück mit mir geradelt ist.

Ein Abschied ohne Bitterkeit

Ein Karriereende kann hart klingen. Für mich klingt es eher nach einem ruhigen, klaren Atemzug. Ich höre auf, weil der richtige Zeitpunkt gekommen ist. Ich höre auf, weil ich gesund bin, weil ich Pläne habe und weil ich neugierig auf das bleibe, was kommt. Der Sport hat mich geprägt wie kaum etwas anderes. Er hat mir Disziplin geschenkt und gleichzeitig die Erfahrung, dass Niederlagen kein Ende sind, sondern oft der Anfang einer neuen Stärke.

Ich nehme aus dieser Zeit unzählige kleine und große Geschenke mit. Den Geruch von feuchtem Asphalt am frühen Morgen. Das vertraute Klicken, wenn der Schuh ins Pedal einrastet. Den Moment der Stille kurz vor dem Startschuss, in dem alles auf einen einzigen Punkt zusammenläuft. Diese Eindrücke werden bleiben, auch wenn das Rennrad künftig öfter an der Wand lehnt als auf der Straße rollt.

Mein besonderer Dank gilt allen, die finanzielle, sportliche und menschliche Verantwortung für mich übernommen haben. Ohne Stiftungen, Verbände, regionale Strukturen und persönliche Unterstützer wäre Spitzensport in dieser Form schlicht nicht möglich. Wer hier mehr über die Menschen und Institutionen erfahren möchte, die meinen Weg begleitet haben, findet auf der Seite Unterstützer & Partner ausführliche Worte des Dankes. Wer mehr über die einzelnen Stationen wissen möchte, kann gerne meiner Karriereseite einen Besuch abstatten oder die Übersicht meiner Erfolge ansehen.

Was bleibt – und was kommt

Ich bleibe dem Radsport verbunden, nur eben aus einer anderen Perspektive. Ich werde Rennen verfolgen, junge Talente bewundern und in vielen Gesprächen weitergeben, was ich gelernt habe. Vielleicht sieht man mich auf einem Volksradeltag, vielleicht beim Zuschauen an einer Straßensperre, vielleicht ganz privat irgendwo zwischen Wäldern und Wiesen. Was sich ändert, ist die Startnummer. Was bleibt, ist die Liebe zum Rad.

Ich danke euch von Herzen. Bleibt gesund, bleibt neugierig, bleibt mutig. Und vergesst nicht, manchmal einfach loszufahren – ohne Plan, ohne Ziel, nur mit dem Wind im Gesicht.

Eure Madeleine

Mehr aus meinem Leben

Auf den nächsten Seiten erzähle ich, wie alles begonnen hat, welche Stationen meine sportliche Laufbahn geprägt haben und wem ich besonderen Dank schulde. Wer Lust hat, in meine Geschichte einzutauchen, findet hier den passenden Einstieg.

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