Manchmal entscheidet ein einziger Moment über ein ganzes Leben. Bei mir war es das Gefühl, zum ersten Mal richtig schnell auf zwei Rädern zu rollen – frei, leicht, unbändig. Aus diesem Gefühl wurde Leidenschaft, aus Leidenschaft wurde Beruf.
Mein Weg in den Radsport hat keine spektakuläre Heldengeschichte. Er beginnt sehr bodenständig, mit Trainingsfahrten am Wochenende, mit Eltern, die mich zu Wettkämpfen brachten, und mit Vereinstrainern, die ein gutes Auge für junge Talente hatten. Was im Kindesalter als Spaß begann, wurde mit den Jahren ernster. Ich merkte, dass mir die Kombination aus Ausdauer, Köpfchen und Mut lag. Der Radsport ist eine Schule fürs Leben, weil er einen lehrt, mit Erfolg und Niederlage in gleicher Würde umzugehen.
Erste sportliche Schritte
Schon früh stand für mich fest, dass ich nicht nur am Wochenende ein bisschen radeln, sondern Rennen fahren wollte. Die ersten Wettkämpfe in der Region waren so etwas wie Initiationsriten. Hier lernte ich, mit Lampenfieber umzugehen, mit Gegnerinnen, die manchmal stärker waren, mit Wetter, das selten so mitspielte, wie man es sich wünschte. Diese Phase war wichtig, weil sie aus einem talentierten Mädchen eine kämpferische Sportlerin gemacht hat.
Mit der Aufnahme in den Bundeskader öffnete sich eine neue Welt. Plötzlich saß ich neben Athletinnen, deren Namen ich aus dem Fernsehen kannte. Die Trainingslager waren intensiv, die Anforderungen hoch. Ich erinnere mich gerne an diese Zeit, weil sie mir gezeigt hat, dass Spitzenleistung kein Zufall ist, sondern das Ergebnis aus tausenden kleiner, oft unsichtbarer Entscheidungen. Wann ich ins Bett gehe, was ich esse, wie ich mit Stress umgehe – all das war auf einmal Teil meines sportlichen Lebens.
Bahn und Straße – zwei Welten, eine Liebe
Der Bahnradsport hat mich besonders fasziniert. Die kleine Holzpiste, das Pfeifen der Reifen, die Geschwindigkeit, die einen in den Steilkurven in den Sattel drückt – das ist eine ganz eigene Welt. Auf der Bahn lernt man, präzise zu sein. Jeder Tritt zählt, jede Position im Rennen ist Strategie. Der Straßenradsport hingegen verlangt Geduld, taktisches Gespür über viele Stunden und die Fähigkeit, im richtigen Moment alles zu geben. Beide Disziplinen ergänzen sich, und beide habe ich aus tiefem Herzen geliebt.
Wer sich heute für den Sport interessiert, sollte wissen, dass diese beiden Welten unterschiedliche Charaktere formen. Die Bahnfahrerin in mir wollte alles berechnen, alles vorbereiten. Die Straßenfahrerin durfte den Dingen ihren Lauf lassen, sich auf den Verlauf des Rennens einlassen und im entscheidenden Augenblick zuschlagen. Aus diesem Wechselspiel entstand vieles, was meine Karriere ausmachte.
Olympia London 2012 – ein Höhepunkt
London war für mich nicht einfach nur ein Wettkampf. London war ein Versprechen, das ich mir selbst als junge Sportlerin gegeben hatte: einmal bei Olympischen Spielen zu starten. Im Sommer 2012 hat sich dieser Traum erfüllt. Die Stimmung in der Stadt, das Olympische Dorf, die Teamkolleginnen, das Gefühl, eine ganze Nation hinter sich zu wissen – das alles ist schwer in Worte zu fassen. Es ist einer dieser Momente, an die man sich für den Rest des Lebens erinnert.
Nach den Spielen wurde es ruhiger in mir. Ich habe gespürt, dass ich an einem Punkt angekommen war, an dem es nichts Größeres mehr zu jagen gab. Diese Erkenntnis ist nicht traurig, sondern friedlich. Sie hat mich zu der Entscheidung geführt, die Karriere in Würde zu beenden und dem Sport in einer anderen Rolle treu zu bleiben. Wer mehr über die einzelnen sportlichen Höhepunkte erfahren möchte, kann gerne auf der Seite Erfolge & Stationen stöbern.
Was mich der Sport gelehrt hat
Eine sportliche Laufbahn ist viel mehr als ein Lebenslauf. Sie ist eine Schule der Geduld, der Demut und der Beharrlichkeit. Ich habe gelernt, dass Talent ohne Fleiß verkümmert und dass Fleiß ohne Spaß zur Last wird. Ich habe gelernt, dass die wirklich wichtigen Menschen im Leben nicht diejenigen sind, die einem nach dem Sieg gratulieren, sondern jene, die nach einer Niederlage anrufen und einfach zuhören. Und ich habe gelernt, dass das Rennrad ein wunderbarer Lehrer ist, weil es einem keine Ausreden lässt.
Heute, mit etwas Abstand, sehe ich meinen Weg klarer. Ich sehe die Brüche, die Umwege, die Verletzungen. Ich sehe aber auch die Menschen, die mir geholfen haben, immer wieder aufzustehen. Auf der Seite Unterstützer & Partner möchte ich diesen Menschen den Platz geben, den sie verdienen. Und auf der Startseite findet ihr meine persönlichen Worte zum Abschied vom aktiven Sport.